(NEWS) Ultra-verarbeitete Lebensmittel: 47% höheres Herzinfarkt-Risiko – Große US-Studie zeigt alarmierende Zusammenhänge
- Norman Reffke

- 8. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. März
Die Fakten auf einen Blick:
4.787 US-Erwachsene wurden in der neuen NHANES-Studie (2021–2023) analysiert.
Ein um 47% höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall wurde bei Personen mit dem höchsten Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel (UPFs) festgestellt.
Lancet Series: 43 internationale Experten warnen vor einer globalen Gesundheitsbedrohung und fordern politische Maßnahmen.
Alarmierende Verbreitung: UPFs machen mittlerweile fast 60% der durchschnittlichen Ernährung von Erwachsenen in den USA aus.
Ultra-verarbeitete Lebensmittel (UPFs) sind aus dem modernen Alltag kaum wegzudenken. Sie sind bequem, lange haltbar und extrem schmackhaft. Doch der Preis für diese Bequemlichkeit könnte höher sein als bisher angenommen. Neue Forschungsergebnisse vom März 2026, veröffentlicht im renommierten The American Journal of Medicine und parallel dazu in einer Serie des Fachblatts The Lancet, zeichnen ein deutliches Bild: Der hohe Konsum industriell stark verarbeiteter Nahrungsmittel ist direkt mit einem drastisch erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden.
Die NHANES-Studie: Ein Weckruf für die Herzgesundheit
Forscher des Charles E. Schmidt College of Medicine der Florida Atlantic University haben Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) ausgewertet. Die Analyse umfasste 4.787 Erwachsene im Alter von über 18 Jahren. Die Teilnehmer dokumentierten ihre Ernährung detailliert über zwei Tage, woraufhin die Forscher den Anteil ultra-verarbeiteter Lebensmittel an der Gesamtkalorienzufuhr berechneten.
Das Ergebnis ist signifikant: Selbst nach Bereinigung um Faktoren wie Alter, Geschlecht, körperliche Aktivität und Raucherstatus hatten jene Teilnehmer, die am meisten UPFs konsumierten, ein um 47% höheres relatives Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, verglichen mit der Gruppe mit dem geringsten Konsum.
"Die Ergebnisse unserer Studie, basierend auf einer großen, national repräsentativen Stichprobe, zeigen, dass Personen mit dem höchsten UPF-Konsum ein statistisch signifikantes und klinisch bedeutsames 47% höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Diese Ergebnisse haben große Auswirkungen auf zukünftige Forschung sowie auf die klinische Versorgung und die öffentliche Gesundheitspolitik."— Dr. Charles H. Hennekens, Senior-Autor der Studie
The Lancet Series: UPFs als globales Systemproblem
Parallel zur US-Studie veröffentlichte The Lancet eine umfassende Serie, an der 43 Experten aus aller Welt mitwirkten. Sie identifizierten Zusammenhänge zwischen hohem UPF-Konsum und 12 verschiedenen Gesundheitszuständen, darunter nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch Typ-2-Diabetes, Depressionen und eine erhöhte Gesamtmortalität.
Die Experten kritisieren, dass das Problem nicht allein auf individueller Ebene gelöst werden kann. UPFs sind so konzipiert, dass sie physiologische Sättigungsmechanismen umgehen und das Belohnungssystem des Gehirns stimulieren – ähnlich wie Suchtmittel.
"Was die Tabakindustrie einst mit einem Blatt tat – es chemisch zu verfeinern und zu aromatisieren, um seine Anziehungskraft zu intensivieren – das haben Lebensmittelkonzerne mit Mais, Kartoffeln und Weizen getan. Das Ergebnis ist ein Nahrungsmittelsystem, das nicht darauf ausgelegt ist, uns zu nähren, sondern uns dazu zu bringen, immer wiederzukommen."— Dr. Ashley Gearhardt, Psychologin an der University of Michigan und Co-Autorin
Mechanismen: Warum schaden UPFs dem Körper?
Die schädliche Wirkung ultra-verarbeiteter Lebensmittel lässt sich nicht allein durch ihren hohen Gehalt an Zucker, Fett und Salz erklären. Die Forschung deutet auf komplexere Mechanismen hin:
Strukturmatrix: Durch die industrielle Zerstörung der Lebensmittelmatrix werden Nährstoffe viel schneller aufgenommen, was zu rapiden Blutzuckerspitzen und einer hohen Insulinantwort führt.
Zusatzstoffe: Emulgatoren, Farbstoffe und Aromen können die Darmbarriere schädigen und das Mikrobiom negativ verändern, was systemische Entzündungen fördert.
Entzündungsmarker: Hoher UPF-Konsum korreliert mit erhöhten Werten des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hs-CRP), einem zentralen Marker für chronische Entzündungen und Prädiktor für Herzinfarkte.
Handlungsempfehlungen für den Alltag
Angesichts dieser Datenlage ist eine Reduktion von UPFs einer der effektivsten Hebel für die persönliche Gesundheitsvorsorge. Folgende Schritte sind evidenzbasiert und umsetzbar:
Zutatenliste prüfen: Meiden Sie Produkte mit Zutaten, die Sie nicht in einer normalen Küche finden würden (z.B. Hydrolysate, Invertzucker, Geschmacksverstärker).
Einkaufsverhalten ändern: Konzentrieren Sie sich auf die Außenbereiche des Supermarkts, wo meist frisches Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte zu finden sind, und meiden Sie die Mittelgänge mit verpackten Waren.
Selbst kochen: Die Zubereitung von Mahlzeiten aus unverarbeiteten Grundzutaten ist der sicherste Weg, UPFs zu vermeiden.
Wasser statt Softdrinks: Gesüßte Getränke sind eine der Hauptquellen für ultra-verarbeitete Kalorien.
Quellen & Weiterführende Literatur
Hennekens, C.H. et al. (2026). "Consumption of ultra-processed foods and increased risks of cardiovascular disease." The American Journal of Medicine. Abstract ansehen
Popkin, B.M., et al. (2026). "Ultra-Processed Foods and Human Health." The Lancet Series. Zur Serie
Florida Atlantic University (2026). "Ultra-processed foods linked to 47% higher risk of heart attack and stroke." ScienceDaily. Pressemitteilung
University of Michigan (2026). "New studies say ultraprocessed foods seen as global public health threat." Bericht lesen



