(NEWS) SAINT TMS: 5-Tage-Therapie bringt 50% Remission bei schwerer Depression
- Norman Reffke
- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Stell dir vor, du leidest seit Jahren unter schwerer Depression. Acht verschiedene Antidepressiva haben nicht geholfen – oder die Nebenwirkungen waren unerträglich. Dann durchläufst du eine fünftägige Therapie ohne Medikamente, und plötzlich fühlst du wieder Lebensfreude. Genau das erlebte Valerie Zeko (57) mit SAINT TMS (Stanford Accelerated Intelligent Neuromodulation Therapy). Eine neue Studie in World Psychiatry zeigt: 50% der 24 Teilnehmer mit behandlungsresistenter Depression erreichten nach nur 5 Tagen Remission – verglichen mit 21% in der Placebo-Gruppe. Die Technik: präzise magnetische Impulse ins Gehirn, die neuronale Verbindungen neu kalibrieren.
Was ist neu?
Transkranielle Magnetstimulation (TMS) gibt es seit Jahren – aber SAINT ist die erste Methode, die personalisiert, beschleunigt und hochpräzise ist. Herkömmliche TMS braucht 4-6 Wochen mit 2-3 Sitzungen pro Woche. SAINT schafft dasselbe in 5 Tagen mit 10 Sitzungen à 10 Minuten täglich. Entwickelt wurde die Therapie am Stanford Brain Stimulation Lab unter Leitung von Dr. Nolan Williams (†43, verstorben Oktober 2025). Williams selbst litt unter Depression und wollte Menschen schneller helfen.
Der Clou: SAINT nutzt funktionelle MRT-Scans, um für jeden Patienten individuell die stärkste Verbindung zwischen dem linken dorsolateralen präfrontalen Kortex (wichtig für Emotionsregulation) und dem tieferliegenden subgenualen Cingulum (assoziiert mit Depression) zu identifizieren. Genau dort werden dann tausende rapide magnetische Impulse gesendet, die diese Verbindung stärken. "Wir haben mentale Gesundheit in dieselbe Präzisionsmedizin gebracht wie der Rest der Medizin", sagt Dr. Brandon Bentzley, Lead-Entwickler von SAINT.
Was zeigt die Evidenz genau?
Studiendesign:
Studientyp: Randomisierte kontrollierte Studie (RCT), doppelblind
Population: 48 Erwachsene mit behandlungsresistenter Depression (≥1 erfolglose Antidepressiva-Therapie)
Intervention: SAINT TMS (10 Sitzungen à 10 Min/Tag, 5 Tage) vs. Placebo-TMS (nur minimale Magnetfeldstärke)
Follow-up: 1 Monat nach Therapie; zusätzlich EEG-Messungen vor/nach Behandlung
Kernergebnisse:
Remission nach 1 Monat: 50% (12/24) in SAINT-Gruppe vs. 20,8% (5/24) in Placebo-Gruppe
Schnelle Wirkung: Viele Patienten berichteten bereits nach Tag 3-4 von deutlicher Verbesserung
EEG-Befund: SAINT reduzierte Beta-Wellen (überaktiv bei Depression/Angst) im linken anterioren cingulären Kortex. Je stärker die Reduktion, desto größer die Verbesserung.
Prädiktiver Marker: Patienten mit höherer Beta-Aktivität vor Therapie profitierten stärker
Nebenwirkungen: Minimal – manche spürten leichten Druck/Schmerz während der Impulse (Valerie Zeko: "wie ein Gummiband-Schnappen"), aber sehr kurz
Einordnung für VMC
SAINT TMS ist ein Gamechanger für Menschen, bei denen Antidepressiva versagt haben. Etwa ein Drittel aller 332 Millionen Menschen weltweit mit Depression haben behandlungsresistente Formen – je mehr Therapien fehlschlagen, desto hoffnungsloser fühlen sie sich. SAINT bietet eine evidenzbasierte Alternative.
Was bedeutet das praktisch für dich?
Für wen? Behandlungsresistente Depression (≥1 erfolglose Medikation), Menschen mit Unverträglichkeit von Antidepressiva, oder wer schnelle Hilfe braucht
Ablauf: Funktionelle MRT-Scans → 5 Tage mit 10 Sitzungen à 10 Min → EEG-Nachkontrolle
Verfügbarkeit: Aktuell 17 Kliniken in den USA (Ziel: 34 bis Ende 2026), nur durch Magnus Medical oder Stanford-Trials
Kosten: 16.000–30.000 USD ohne Versicherung; Medicare deckt SAINT in Krankenhaus-Ambulanzen; private Versicherungen noch zögerlich
FDA-Status: FDA-Zulassung seit September 2022 für behandlungsresistente Depression
Dauer der Wirkung: Variabel – manche Patienten in Remission für Monate bis Jahre, andere brauchen "Tune-Ups" nach 5-6 Monaten
Valerien Zekos Erfahrung (28 Jahre Depression):
Vor SAINT: "Dichte Nebel im Kopf", konstante negative Selbstgespräche, 8 Antidepressiva erfolglos, Suizidgedanken von Bekannten nachvollziehbar
Nach SAINT (November 2023): "Ich bin aus dem dichten Nebel herausgegangen. Klarheit und Frieden in meinem Kopf. Kein konstantes negatives Geschwätz mehr."
Praktisch: Koffer sofort auspacken (früher wochenlang liegen lassen); Fahrradtour über Golden Gate Bridge genießen (früher: "Ich kann's nicht erwarten, dass das vorbei ist")
Aktuell (2+ Jahre später): Leichte Rückfälle seit 6 Monaten (möglicherweise durch Jobverlust), versucht erneute SAINT-Behandlung zu bekommen (Versicherung lehnte ab)
Grenzen & offene Fragen
Limitation 1: Studienteilnehmer größtenteils weiß, hochgebildet, wenige Ko-Diagnosen → Wirkung bei diversen Gruppen/Mehrfachdiagnosen unklar
Limitation 2: Akut suizidale Patienten oder Suizidversuche im letzten Jahr ausgeschlossen (aus Sicherheitsgründen) → Vergleich mit anderen Therapien bei Suizidalität fehlt
Limitation 3: Langzeitwirkung variiert stark (einige Monate bis Jahre) – unklar, wer langfristig profitiert vs. wer Auffrischungen braucht
Limitation 4: Mechanismus noch nicht vollständig verstanden – Patienten, die nicht reagieren, haben oft "normale" Gehirnaktivität (laut MRT/EEG), Depression hat also möglicherweise verschiedene neurobiologische Subtypen
Limitation 5: Direkter Vergleich mit konventioneller TMS fehlt noch (aber SAINT scheint deutlich überlegen in Geschwindigkeit/Remissionsrate)
Quellen
Kratter I, et al. (2026). SAINT for treatment-resistant depression: A randomized controlled trial. World Psychiatry. CNN Report
Bentzley BS, et al. (2021). Stanford Accelerated Intelligent Neuromodulation Therapy for Treatment-Resistant Depression. American Journal of Psychiatry, 178(8), 716-726.
FDA Clearance: September 2022 (First rapid, noninvasive neuromodulation system for TRD)
Magnus Medical: https://magnusmed.com/
⚠️ Wichtiger Hinweis:
Diese Informationen dienen ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Wenn du oder jemand, den du kennst, mit mentalen Gesundheitsproblemen kämpft, ist Hilfe verfügbar: Deutschland: 0800-1110111 (Telefonseelsorge) | USA: 988 (Crisis Lifeline)
