(NEWS) Omega-3 für mentale Gesundheit: Meta-Analyse zeigt Angst- und Depressionsreduktion
- Norman Reffke

- vor 3 Tagen
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Du ernährst dich gut, bewegst dich, schläfst genug – aber deine Stimmung ist trotzdem im Keller? Eine umfassende Meta-Analyse mit 42 Studien und 3.800 Teilnehmern zeigt: EPA-dominante Omega-3-Fettsäuren (≥60% EPA) können Depressionssymptome um bis zu 30% reduzieren. Der Mechanismus dahinter: gezielte Entzündungshemmung im Gehirn. Was bedeutet das für dich?
Was ist neu?
Omega-3-Fettsäuren als "Gehirnnahrung" sind nicht neu – aber diese Meta-Analyse bringt erstmals Klarheit über Dosierung, EPA/DHA-Verhältnis und Wirkmechanismus. Während frühere Studien widersprüchliche Ergebnisse lieferten, zeigt die aktuelle Analyse: Nicht die Gesamtdosis ist entscheidend, sondern der EPA-Anteil. Bei EPA-Dominanz (≥60%) sinkt das Depressionsrisiko signifikant – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Schweregrad der Symptome.
Besonders spannend: Der Effekt wirkt über die Senkung von Entzündungsmarkern (IL-6, TNF-alpha) im Blut. Das passt zur aktuellen "Neuroinflammations-Hypothese" der Depression: Chronische Entzündungen im Gehirn stören die Neurotransmitter-Balance (Serotonin, Dopamin) und fördern depressive Symptome.
Was zeigt die Evidenz genau?
Studiendesign:
Studientyp: Systematisches Review + Meta-Analyse (42 randomisiert-kontrollierte Studien)
Population: 3.800 Teilnehmer (18-75 Jahre), davon 65% mit klinischer Depression (Major Depressive Disorder), 35% mit subklinischen Symptomen
Intervention: Omega-3-Präparate (EPA + DHA) vs. Placebo, durchschnittliche Dosis: 1.500-2.000 mg EPA/Tag
Follow-up: 8-52 Wochen (Median: 12 Wochen)
Kernergebnisse:
Depressions-Score: -30% (standardisierte Mittelwertdifferenz: -0.45, 95% CI: -0.62 bis -0.28, p<0.001) bei EPA-Dominanz (≥60%)
Angst-Score: -25% bei generalisierten Angststörungen (standardisierte Mittelwertdifferenz: -0.38, p=0.002)
Entzündungsmarker: IL-6 -22%, TNF-alpha -18% (beide p<0.05)
Dosierung: Effekt ab 1.000 mg EPA/Tag sichtbar, Plateau bei 2.000 mg (keine weitere Steigerung bei höheren Dosen)
Keine Wirkung: DHA-dominante Präparate (≥60% DHA) zeigten keine signifikante Verbesserung bei Depression
Einordnung für VMC
Was bedeutet das praktisch für dich?Wenn du unter depressiven Verstimmungen oder Angst leidest, könnte EPA-dominantes Omega-3 eine evidenzbasierte Ergänzung zur Therapie sein – aber kein Ersatz für Psychotherapie oder Medikation. Achte beim Kauf auf das EPA/DHA-Verhältnis: Suche nach Präparaten mit mindestens 60% EPA (z.B. 1.200 mg EPA + 600 mg DHA pro Portion).
Praktische Umsetzung:
Fetter Seefisch: 2-3x/Woche Lachs, Makrele oder Hering (ca. 500-1.000 mg EPA/DHA pro Portion) – aber oft nicht ausreichend für therapeutische Effekte
Supplement: EPA-dominantes Fischöl oder Algenöl (vegan), Start mit 1.000-1.500 mg EPA/Tag, nach 6-8 Wochen Effekt evaluieren
Timing: Zu den Mahlzeiten einnehmen (bessere Absorption)
Interaktionen: Bei Blutverdünnern (z.B. Marcumar) vorher Arzt konsultieren (Omega-3 kann Blutgerinnung beeinflussen)
VMC-Perspektive: Omega-3 kann Teil eines ganzheitlichen Ansatzes sein – kombiniert mit Bewegung, Stressmanagement und sozialem Support. Besonders interessant: Die entzündungshemmende Wirkung könnte auch bei stressbedingten Symptomen helfen (Cortisol-Dysregulation → Entzündungen → Depression).
Grenzen & offene Fragen
Heterogenität: Studien nutzten unterschiedliche Depressions-Skalen (BDI, HDRS, MADRS) – Vergleichbarkeit eingeschränkt
Langzeit-Daten fehlen: Nur 3 Studien mit Follow-up >24 Wochen – unklar, ob Effekt langfristig anhält
Genetische Faktoren: Einzelne Studien deuten an, dass Menschen mit bestimmten Genpolymorphismen (z.B. FADS-Gene, die EPA/DHA-Synthese regulieren) stärker profitieren – aber zu wenig Daten für Empfehlungen
Kombination mit Medikamenten: Nur 5 Studien testeten Omega-3 als Add-on zu Antidepressiva (SSRIs) – Evidenz noch schwach, aber vielversprechend
Quellen
Original-Studie: "EPA-enriched omega-3 supplementation for major depressive disorder: A systematic review and dose-response meta-analysis" – Journal of Affective Disorders, 2026 | DOI: 10.1016/j.jad.2026.01.042
WHO Fact Sheet: Depression (2025) – https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression
American Psychiatric Association: Omega-3 Fatty Acids in Mood Disorders – Clinical Practice Guidelines (2024)
⚠️ Wichtiger Hinweis:Diese Informationen dienen ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Omega-3-Präparate können Nebenwirkungen haben (z.B. Magen-Darm-Beschwerden, fischiger Nachgeschmack) und mit Medikamenten interagieren. Konsultiere bei depressiven Symptomen immer einen qualifizierten Arzt oder Psychotherapeuten.
Krisenhotlines (24/7):🇩🇪 Deutschland: 0800 111 0 111 (Telefonseelsorge)🇺🇸 USA: 988 (Suicide & Crisis Lifeline)



